Dach winterfest machen: Der Herbst-Check fürs Haus
Bevor die Sturmsaison beginnt: Warum sich der Herbst-Dachcheck lohnt, was Sie selbst prüfen können, wann der Fachbetrieb ranmuss – und was er kostet.
Wenn die ersten Herbststürme über den Niederrhein ziehen, ist es für die Dachkontrolle meist zu spät. Der richtige Zeitpunkt, das Steildach fit für die kalte Jahreszeit zu machen, ist der Spätsommer und der frühe Herbst – bei trockenem Wetter, mit Ruhe und bevor die Fachbetriebe ausgebucht sind. Dieser Beitrag zeigt Hausbesitzern in Viersen und Umgebung, warum sich der Herbst-Dachcheck lohnt, was Sie gefahrlos selbst prüfen können, was in die Hände eines Fachbetriebs gehört – und welche Pflichten und Kosten dahinterstehen.
Warum der Herbst-Check jetzt zählt
Schwere Stürme haben in Deutschland eine klare Saison: Laut dem Wetterdienst treten die kräftigen Sturm- und Orkantiefs vor allem zwischen Oktober und März auf. Genau dann wird jede Schwachstelle am Dach zum Problem – eine lockere Pfanne, die der Wind anhebt, ein offener Anschluss, durch den Schlagregen dringt, oder Feuchtigkeit, die in einem Riss gefriert und ihn Frost für Frost weiter aufsprengt. Was im Sommer nur ein kleiner Mangel ist, wird unter Sturm, Starkregen und Schneelast schnell zum Wasserschaden in Dämmung und Dachstuhl.
Dazu kommt ein praktischer Grund: Sobald der erste Sturm durchgezogen ist, sind die Auftragsbücher der Dachdecker am Niederrhein voll – dann zählt jede Notsicherung, und für die vorsorgliche Kontrolle bleibt wenig Zeit. Wer im Spätsommer oder frühen Herbst prüfen lässt, hat freie Auswahl beim Termin und repariert kleine Mängel in Ruhe, statt später im Regen auf einen Notdienst zu warten.
Was Sie selbst prüfen können – und was nicht
Einen ersten Eindruck können Sie sich selbst verschaffen – allerdings nur vom sicheren Standort aus. Steigen Sie nicht selbst aufs Dach: Ein Sturz von Leiter oder Dach kann schwere Folgen haben, und ein nasses oder bemoostes Dach ist selbst für geübte Handwerker gefährlich.
Vom Boden aus, am besten mit einem Fernglas, erkennen Sie schon viel: verrutschte oder fehlende Ziegel, sichtbare Risse, abgeplatzte Stücke, starken Moos- und Flechtenbewuchs oder eine durchhängende Dachkante. Der zweite Kontrollpunkt ist der Dachboden – und der verrät oft mehr als das Dach selbst. Gehen Sie an einem hellen Tag ohne Licht hinauf: Wo Tageslicht durch die Eindeckung fällt, ist auch Wasser willkommen. Achten Sie außerdem auf dunkle Feuchteränder am Holz, feuchte Dämmung, muffigen Geruch und Wasserspuren nach einem Regentag. Solche Anzeichen sollten Sie zeitnah von einem Fachbetrieb abklären lassen.
Der professionelle Dachcheck: Diese Punkte gehören dazu
Fachbetriebe und Innungen empfehlen, das Dach mindestens einmal im Jahr kontrollieren zu lassen – zusätzlich immer nach Stürmen oder starkem Schneefall (so etwa der Dachdeckerbetrieb Kussmaul in seinem Wartungs-Ratgeber). Ein gründlicher Dachcheck umfasst deutlich mehr als den Blick von unten:
- Eindeckung: gebrochene, verschobene oder frostgeschädigte Ziegel und Pfannen, dazu die Windsogsicherung der Randbereiche. Die eigentliche Neueindeckung und Ausbesserung der Dachfläche gehört zu den klassischen Dachdeckerarbeiten.
- First und Grat: Sitzen die Firstziegel fest, ist der Mörtel rissig, hält das Trockenfirstband?
- Anschlüsse und Verwahrungen: die neuralgischen Punkte an Kamin, Gauben, Dachfenstern und Wandanschlüssen – hier dringt Wasser am häufigsten ein. Bleche und Abdichtungen müssen dicht und fest sitzen.
- Dachentwässerung: Rinnen, Einläufe und Fallrohre müssen frei und dicht sein. Wann eine Reinigung reicht und wann die Rinne erneuert werden sollte, lesen Sie im Beitrag Dachrinne reparieren oder erneuern.
- Sicherheitseinrichtungen: Sitzt ein vorhandenes Schneefanggitter noch fest, sind Trittstufen und Sicherungshaken in Ordnung?
Zeigt der Check echte Schäden, sollten sie vor dem Winter behoben werden – eine gezielte Dachreparatur im Herbst ist fast immer günstiger als die Notsicherung nach dem ersten Sturm.
Verkehrssicherungspflicht: Wer haftet für herabfallenden Schnee?
Ein Dach kann auch zur Gefahr für andere werden – und dann stellt sich die Haftungsfrage. Als Eigentümer trifft Sie die sogenannte Verkehrssicherungspflicht: Wer eine Gefahrenquelle schafft oder bestehen lässt, muss zumutbare Vorkehrungen treffen, damit niemand zu Schaden kommt (Grundlage ist § 823 Abs. 1 BGB). Löst sich ein Ziegel und trifft ein parkendes Auto, oder rutscht eine Dachlawine auf den Gehweg, haften Sie, wenn Sie diese Pflicht vernachlässigt haben. War das Dach dagegen ordnungsgemäß gewartet und das Unwetter außergewöhnlich heftig, entfällt die Haftung in der Regel – höhere Gewalt kann niemand vorhersehen.
Genau hier zahlt sich der regelmäßige Dachcheck doppelt aus: Er hält das Dach nicht nur dicht, sondern dokumentiert auch, dass Sie Ihrer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen sind. Wer nachweisen kann, dass das Dach fachgerecht kontrolliert und instand gehalten wurde, steht im Schadensfall deutlich besser da als jemand, der die Kontrolle über Jahre versäumt hat.
Für Schneefanggitter gilt am Niederrhein Entwarnung – mit Einschränkung. Die Landesbauordnung NRW verlangt in § 32 Abs. 8: „Dächer an Verkehrsflächen und über Eingängen müssen Vorrichtungen zum Schutz gegen das Herabfallen von Schnee und Eis haben, wenn dies die Verkehrssicherheit erfordert.“ NRW liegt laut dem Verband Wohneigentum größtenteils in der niedrigen Schneelastzone 1; nur Regionen wie der Aachener Raum oder das Bergische Land fallen in die Zonen 2 und 2a. Eine generelle Schneefanggitter-Pflicht besteht damit für die meisten Häuser in Viersen und Umgebung nicht. Eine feste Grenze, ab der ein Schneefang automatisch Pflicht würde, kennt das NRW-Baurecht dabei nicht – auch eine Dachneigung über 45 Grad begründet für sich genommen keine Pflicht. Ob im Einzelfall doch eine Vorrichtung nötig wird, entscheidet sich nach einer Gesamtbetrachtung der Umstände; in schneearmer Lage reicht die Steilheit des Dachs allein dafür nicht.
Wartung schützt auch den Versicherungsschutz
Ein gepflegtes Dach ist auch eine Frage des Versicherungsschutzes. Die Wohngebäudeversicherung erwartet, dass Sie das Gebäude in Stand halten. Trägt nachweislich vernachlässigte Wartung zu einem Schaden bei, kann der Versicherer die Leistung wegen grober Fahrlässigkeit anteilig kürzen – so das Vergleichsportal Verivox zur Wohngebäudeversicherung. Ein dokumentierter Dachcheck und reparierte Mängel sind deshalb im Schadensfall bares Geld wert.
Kommt es doch zum Sturmschaden, greifen je nach Fall unterschiedliche Policen: Schäden am eigenen Gebäude deckt die Wohngebäudeversicherung, einen vom Dach beschädigten fremden Pkw die Vollkaskoversicherung des Halters, Personenschäden am selbst bewohnten Haus die private Haftpflicht (so der ADAC zur Dachlawine). Was direkt nach einem Sturm zu tun ist und wie Sie den Schaden richtig dokumentieren, lesen Sie in unserem Beitrag Sturmschaden am Dach: Was tun?.
Was der Dachcheck kostet – und was das Finanzamt übernimmt
RZ-Preise nennen wir hier bewusst nicht – jedes Dach ist anders, und ein seriöses Angebot entsteht nach dem Blick vor Ort. Zur Orientierung: Laut dem Handwerkerportal 11880 kostet eine Dachwartung mit Sichtprüfung an einem Einfamilienhaus je nach Größe, Neigung und Zugänglichkeit rund 100 bis 350 €. Vorsicht ist erfahrungsgemäß bei vermeintlich kostenlosen „Gratis-Dachchecks“ an der Haustür geboten – solche Lockangebote enden nicht selten mit überflüssigen, teuren Arbeiten.
Ein Teil der Kosten kommt über die Steuer zurück: Für Handwerkerleistungen im selbst genutzten Haushalt gewährt § 35a Abs. 3 EStG einen Steuerbonus von 20 Prozent der Arbeitskosten, maximal 1.200 € pro Jahr. Abgesetzt werden nur Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten, nicht das Material – und Voraussetzung sind eine ordentliche Rechnung sowie die Zahlung per Überweisung, nicht in bar. Wer den Dachcheck und kleine Reparaturen zusammenlegt, schöpft den Bonus effizient aus.
Unterm Strich ist die Rechnung einfach: Eine geplante Kontrolle mit kleiner Reparatur kostet einen Bruchteil dessen, was eine Notsicherung mit Folgeschaden an Dämmung, Decke und Innenausbau nach sich zieht. Vorsorge ist beim Dach fast immer die günstigere Variante.
Sie wollen Ihr Dach vor dem Winter auf der sicheren Seite wissen? Wir kontrollieren Eindeckung, Anschlüsse und Entwässerung, sagen Ihnen ehrlich, was jetzt nötig ist und was warten kann, und erstellen Ihnen bei Bedarf ein unverbindliches Angebot. Melden Sie sich einfach über unser Kontaktformular – die Erstberatung ist kostenlos.
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